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Forschung

Hand- und Motorarbeit. Mina Hofstetter setzte in den 1920er Jahren auf ihrem viehlosen Biobetrieb Konrad von Meyenburgs Bodenfräse ein.
Bäuerliche Proteste gegen die Auswirkungen der staatlichen Agrarpolitik. In Irland organisierte die Bäuerin Elizabeth Bobbett in den 1930er und 1940er Jahren Boykotte und Protestdemonstrationen.
Einleitung zum Band 8 von Rural History in Europe. PDF
 

Wissenschaftliche Forschung

Die im AfA betriebene historische Forschung ist theoriegeleitet, quellengesättigt und transnational ausgerichtet. Wir betrachten die moderne Agrargeschichte, die in der jüngsten Vergangenheit auf beiden Seiten des Atlantiks entwickelt worden ist, als Potential für eine Integrationswissenschaft, die sich für ganz unterschiedliche Erkenntnisinteressen eignet. Die Resultate unserer Forschungsarbeit publizieren wir in Monografien, Aufsätzen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Sammelbänden, in der AfA-Reihe Studien und Quellen zur Agrargeschichte sowie in Form von Zeitungsartikeln und Interviews in print- und elektronischen Medien. Für eine Übersicht über die Publikationen aus dem AfA vgl. die Publikationslisten von Peter Moser und Juri Auderset.

Laufende Forschungsprojekte

Semantiken agrarischer und industrieller Arbeit. Arbeitswissen, Produktionsmetaphern und der Wandel der Arbeit im 19. und 20. Jahrhundert: Im Zuge der Industrialisierung sind die Formen, Deutungen und Praktiken agrarischer Arbeit tiefgreifend transformiert worden. Was moderne, effiziente und produktive Arbeit sei, wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in erster Linie entlang industrieller Prämissen definiert. Die Übertragung dieser Vorstellungen auf den agrarischen Bereich war ebenso anpassungsbedürftig wie folgenreich. In diesem Forschungsprojekt werden die die Verflechtungen und Wechselwirkungen zwischen industrieller und agrarischer Arbeit im 19. und 20 Jahrhundert untersucht. Geleitet wird das auf drei Jahre (2017-2019) angelegte Projekt von Peter Moser. Der Hauptbearbeiter, Juri Auderset, ist im Rahmen des Projekts als Visiting Scholar am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig.

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Schreibende Bäuerinnen: Frauen in der Landwirtschaft sind kaum je ein Thema in der Geschichtsschreibung. Das wird in der Regel mit der Behauptung begründet, sie hätten keine Quellen hinterlassen. Doch diese Aussage stimmt nur sehr bedingt, wie ein Blick auf die vom AfA erschlossenen Quellen deutlich macht.
Am Beispiel von drei Bäuerinnen aus Irland und der Schweiz suchen wir in diesem Projekt nach Texten von Frauen aus dem Agrarbereich und fragen nach den Ursachen, weshalb auch viele Quellen produzierende Bäuerinnen bisher weder von der Historiografie noch von den Gender-Studies als Akteurinnen zur Kenntnis genommen worden sind.
Elizabeth Bobbett (1897-1971), die Generalsekretärin der Irish Farmers‘ Federation, Augusta Gillabert-Randin (1869-1940), eine Vorkämpferin für das Frauenstimmrecht, und Mina Hofstetter ((1883-1967) eine Pionierin des viehlosen biologischen Landbaus in der Schweiz führten während Jahrzehnten selbständig einen Hof, engagierten sich in der Öffentlichkeit für agrarische und feministische Anliegen und haben zahlreiche Texte verfasst, die ihr verbandspolitisches Engagement sowie ihre Sicht auf die Gesellschaft, die Geschlechterverhältnisse und die agrarische Praxis dokumentieren. Mit der Veröffentlichung einer Auswahl ihrer Texte schaffen wir gleichzeitig eine Grundlage für eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Wirken von Frauen im Agrarsektor.

Solidarökonomie und biologischer Landbau: Im Projekt über die Bedeutung der Solidarökonomie für die Entwicklung des ökologischen Landbaus in Europa geht es um die Frage, inwiefern der Biolandbau in D, F, I, Ö und der CH durch die Solidarökonomie beeinflusst wurde.

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Abgeschlossene Forschungsprojekte (Auswahl)

Die agrarisch-industrielle Wissensgesellschaft: In diesem vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziell unterstützten Forschungsprojekt analysierte das Archiv für Agrargeschichte die agrarisch-industrielle Wissens¬gesellschaft im 19./20. Jahrhundert. Als agrarisch-industrielle Wissensgesellschaft (AIW) werden jene Akteure, Institutionen und Diskurse bezeichnet, die seither an der Transformation und Weiterentwicklung des Agrarsektors massgeblich beteiligt waren und damit bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts auch einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Industriegesellschaft ausübten. Von einer agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft sprechen wir deshalb, weil an diesem komplexen Entwicklungsprozess Akteure und Institutionen sowohl aus dem Agrarbereich und der Industriegesellschaft beteiligt waren, deren Wissenssysteme durch soziale und diskursive Interaktionsformen konstituiert wurden.

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Rausch und Ordnung - zur Alkoholfrage und Alkoholpolitik im 19./20. Jahrhundert: In diesem Projekt wurde die in der zweiten Hälfte 19. Jahrhundert aufkommende "Alkoholfrage" in den sich wandelnden gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Kontexten verortet. Ein Ziel des Forschungsprojektes, das im Zusammenhang der Erschliessung der Archivalien der Eidgenössischen Alkoholverwaltung durch das AfA durchgeführt wurde, bestand in der Historisierung eines bis heute äusserst umstrittenen Themas.

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Agronomen: In dem im Rahmen des europäischen COST-Progressore-Programms durchgeführten, vom Staatssekretariat für Bildung-, Forschung und Innovation (SBFI) finanziell unterstützen Forschungsprojekts wurden Herkunft, Ausbildung und Tätigkeit der im 19. Jahrhundert exklusiv an der ETH Zürich ausgebildeten Agronomen analysiert. Es wurde nach den Rollen gefragt, die diese Gruppe von Experten bei der Formulierung und Umsetzung der sich stets verändernden gesellschaftlichen Vorstellungen einer modernen Landwirtschaft spielten und ob die Agronomen bäuerliches Erfahrungswissen in die die Agrarpolitik der Industriegesellschaft definierenden Gremien vermittelten. Ein Teil der Ergebnisse sind im Band 8 der Serie Rural History in Europe publiziert worden.

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