Bielser, Alice (1925-2017)--DB335

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Bielser, Alice (1925-2017)--DB335

Picture

Person

Lebensdaten

29.03.1925-17.05.2017

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Schwester von Bielser, Ernst (1926-)--DB5479

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Lehrrinnenseminar; Hauswirtschaftslehrerin

Berufsausübung

Schweizerische Vereinigung für Beratung in der Landwirtschaft (SVBL), Zentralstelle Küsnacht: Leiterin der Bäuerinnenberatung und, ab 1965, zugleich bäuerlich-hauswirtschaftliche Betriebsberaterin im Kanton Solothurn 1964-1971; Haushaltungsschule des Kantons Solothurn: Hauptlehrerin 1952-1961 (gemeinsam mit Jungi, Marie--DB1816)

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Arbeitsgemeinschaft für ländliche Soziologie: Mitglied; Arbeitsgemeinschaft der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Beraterinnen: Geschäftsführerin 1966-; Haus und Leben (Mitteilungsorgan der ARBE): Redaktorin

Funktionen in anderen Institutionen

Funktionen in der Politik

Biographische Skizze

Alice Bielser wurde am 29. März 1925 geboren. Sie war das erste von sechs Kindern des Ehepaars Ernst und Luise Bielser-Dürr in Pratteln, wo die Familie einen Bauernbetrieb bewirtschaftete. Nach Abschluss der Primarschule besuchte Alice Bielser die dreijährige Sekundarschule und anschliessend die Mädchenrealschule in Basel. 1942 begann sie am Lehrerseminar in Basel eine Ausbildung als Hauswirtschaftslehrerin. Nach der Diplomierung im Frühjahr 1945 arbeitete sie für 14 Monate im Haushalt eines landwirtschaftlichen Grossbetriebs im waadtländischen Bex. Darauf folgte ein einjähriger Aufenthalt als Au-pair bei einer Familie im englischen Weston-Super-Mare. Im Sommer 1948 begann Alice Bielser an der Land- und Hauswirtschaftsschule Wetzikon ihre Tätigkeit als Lehrerin für Hauswirtschaft und Handarbeit. Im Winter 1948/49 wurde sie an die Hauswirtschaftsschule 'Le Printemps' in Saint-Imier gewählt, wo sie zwei Jahre blieb. 1950 trat sie eine Stelle als Praktikantin auf einem Hof in der Nähe von Uppsala an. Zurück in der Schweiz unterrichtete Alice Bielser 1951 zuerst an der Bäuerinnenschule Schiers, bevor sie 1952 an die kantonale Land- und Hauswirtschaftsschule Wallierhof im Kanton Solothurn gewählt wurde, wo sie bis 1960 unterrichtete. Ab 1961 arbeitete sie in Sizilien als Helferin im Hilfs- und Aufbauwerk von Danilo Dolci.

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz übernahm Alice Bielser 1964 eine durch das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA) und die Landfrauenverbände finanzierte Stelle bei der Schweizerischen Vereinigung zur Förderung der Betriebsberatung in der Landwirtschaft (SVBL, heute: AGRIDEA) in Küsnacht. Hier bestand Bielsers Aufgabe vor allem in der Schaffung von Grundlagen und Unterrichtsmaterial für Betriebsberaterinnen, die in den Kantonen eine Rationalisierung der ländlichen Hauswirtschaft anstrebten. Besondere Aufmerksamkeit schenkte die SVBL der Rationalisierung der Hauswirtschaft im Berg- und Voralpengebiet. Dazu führte Alice Bielser Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in Obersaxen (GR), in Elm und im luzernischen Hergiswil durch. Die Fernsehsendung 'Landwirtschaftliche Rundschau' zum Bergdorf Elm basierte zu einem wesentlichen Teil auf der Studie von Bielser. Gleichzeitig begann Alice Bielser, sich publizistisch zu betätigen. In 'Beratung von heute', dem Publikationsorgan der Arbeitsgemeinschaft der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Beraterinnen, veröffentlichte sie Artikel zu hauswirtschaftlichen Themen und in der Radiosendung 'Bauernkalender' hielt sie zahlreiche Vorträge.

Mit ihrer Publikationstätigkeit weckte Alice Bielser auch das Interesse von Journalistinnen an ihrer Arbeit. So veröffentlichte Irma Fröhlich 1970 im 'Brückenbauer' unter dem Titel 'Im Zickzackkurs durch Europa. Melkerin, Kochlehrerin, Entwicklungshelferin' ein Porträt von Alice Bielser, in dem es hiess, diese betreibe 'Entwicklungshilfe' im Inland. Dagegen wehrte sich der Schweizerische Landfrauenverband, der argumentierte, die Bäuerinnen würden sich überhaupt nicht als 'unterentwickelt' verstehen. Zwar beruhte der Konflikt über die Beschreibung von Bielsers Tätigkeit als 'Entwicklungshilfe' im Brückenbauer weitgehend auf einem Missverständnis – Bielser selber wehrte sich gegen die Charakterisierung ihrer Tätigkeit als 'Entwicklungshilfe' – , aber zwischen den organisierten Bäuerinnen und Alice Bielser gab es in der zweiten Hälfe der 1960er Jahre andere grundlegende Differenzen. Diese drehten sich in erster Linie um die Frage der Ausbildung der Bäuerinnen. Bielser strebte einerseits eine Ausrichtung der hauswirtschaftlichen Grundausbildung auf die Bedürfnisse des ländlichen Raumes an und andererseits einen Ausbau der Bäuerinnenausbildung nach dem Muster der Bauern. Diese konnten seit 1945 nach einem Lehrabschluss und dem Bestehen einer Berufsprüfung ihre formale Ausbildung mit der Ablegung einer Meisterprüfung abschliessen. Nur mit der Einführung einer solchen Ausbildung auch bei den Bäuerinnen, argumentierte Alice Bielser, könne verhindert werden, dass Bauerntöchter, die nach ihrer hauswirtschaftlichen Ausbildung nicht als Bäuerin auf einem Hof tätig wurden, ohne eigentliche Berufsausbildung dastünden. Die in den Landfrauenverbänden organisierten Bäuerinnen hingegen legten Wert darauf, dass in der hauswirtschaftlichen Ausbildung der Bäuerinnen eine Kombination der spezifisch bäuerlichen Aspekte einer Haushaltsführung und die Führung eines landwirtschaftlichen Betriebs im Zentrum stehen sollten; sie waren deshalb dagegen, die bäuerlich-hauswirtschaftliche Ausbildung in eine ländlich-hauswirtschaftliche Grundausbildung umzuwandeln.

1971 kündigte Alice Bielser ihre Stelle bei der SVBL. Danach arbeitete sie für kurze Zeit beim Internationalen Verband für Hauswirtschaft in Paris. Im darauffolgenden Jahr wechselte sie zum sozialpädagogischen Dienst der Schulen des Kantons Basel-Stadt, wo sie als Sozialarbeiterin im Gastarbeitersektor tätig war. Von 1978 bis zu ihrer Pensionierung 1986 leitete Alice Bielser ein Wohnheim mit angeschlossener Werkstube der Gesellschaft zur Förderung geistig Behinderter in Basel.

Autoren: Peter Moser und Elias Quaderer

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

  • Aus dem Bergdorf Elm im Kanton Glarus. Auszug aus einem Bericht über eine agrarsoziologisch-hauswirtschaftliche Umfrage, in: Agrarpolitische Revue Juli/August 1969, S. 213-219
  • Die Familien Bielser und ihr Heimatort Pratteln, Basel 1996
  • Erinnerungen aus meinem Leben, Basel 2007
  • Das Bergdorf Elm. Bericht über eine hauswirtschaftliche Umfrage, Küsnacht 1968
  • Obersaxen. Ein Bergdorf, in: Beratung von heute. Hauswirtschaftliche Informationen für Beraterinnen Nr. 6, Juni 1966, S. 1-36

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 336
  • Archivbestand Schweizerischer Landfrauenverband (SLFV), in: Gosteli-Archiv, Worblaufen
  • Irma Fröhlich, Im Zickzack durch Europa, in: Wir Brückenbauer, Nr. 8, 27.2.1970, S. 4-5
  • Schweizer Radio und Fernsehen, Landwirtschaftliche Rundschau, 22.03.1970: Bäuerinnen bilden sich weiter (AfA Filmdossier Nr. SRF0424)

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton SolothurnKanton Basel-LandschaftSchweizerischer Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV)AGRIDEAArbeitsgemeinschaft für ländliche SoziologieLandwirtschaftliche Schule Wallierhof


Zitiervorschlag - Proposition de citation - Suggested citation

Deutsch: Peter Moser, Bielser, Alice (1925-2017)--DB335, AfA-Portal Personen und Institutionen, Version vom März 2022, konsultiert am .

Français: Peter Moser, Bielser, Alice (1925-2017)--DB335, Portail AHR Personnes et institutions, version de mars 2022, consulté le .

English: Peter Moser, Bielser, Alice (1925-2017)--DB335, Portal ARH People and institutions, March 2022 version, consulted on .

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