Bürkli, Karl (1823-1901)--DB4438

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Bürkli, Karl (1823-1901)--DB4438

Picture

Person

Lebensdaten

29.07.1823-20.10.1901

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Zürich

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Ledig; reformiert, später konfessionslos

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Berufsausübung

Gerber, Publizist, Gründer und Geschäftsführer des Zürcher Konsumvereins (1851–1854; 1858–1861; 1866–1872), Mitglied der Direktion eines fourieristischen Auswanderungsprojekts nach Texas, Wirt und sozialdemokratischer Aktivist

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Funktionen in anderen Institutionen

Funktionen in der Politik

Grossrat (1851–1854), Kantonsrat (1869–1878, 1882–1899); Mitglied des Grossen Stadtrats von Zürich (1866–1870, 1893–1901); Mitglied der Ersten und Zweiten Internationalen

Biographische Skizze

Karl Bürkli stammte aus einer alten politisch konservativen Familie des stadtzürcherischen Patriziats. Sein Vater Johann Georg Bürkli war Kaufmann und Seidenindustrieller, hoher Offizier und in der Zeit der Restauration exekutiver Politiker. Auch seine Mutter Anna Wilhelmine Füessli stammte aus einer Familie des stadtzürcherischen Patriziats. Ihr Onkel war Hans Conrad Escher von der Linth. Ihr Bruder Wilhelm Füessli war Mitgründer des Republikaners.

Karl Bürkli besuchte in Zürich die Primarschule und das Untergymnasium, das er ohne Abschluss verliess. Danach absolvierte er eine Gerberlehre. Die Walz führte ihn in den Jahren 1842–1847 u.a. nach Frankreich. Im vorrevolutionären Paris kam er 1845–1847 in Kontakt mit dem frühsozialistischen Gedankengut von Charles Fourier und dem Kreis der FourieristInnen. 1848 nach Zürich zurückgekehrt, publizierte er ab 1851 Artikel und Broschüren, in denen er einerseits direktdemokratische Institutionen und anderseits eine auf genossenschaftlicher Organisation basierende Sozialreform forderte. Bis in die frühen 1860er-Jahre beruhten Bürklis Ziele im Einklang mit den FourierstInnen, von denen er zahlreiche persönlich kannte, auf einem handwerklich-gartenbaulichen Produktionsideal. Ab den 1860er-Jahren bezog er auch die zunehmend dominanter werdende industrielle Produktionsweise in seine Konzeptionen mit ein.

1851 gründete Bürkli mit anderen Mitgliedern des örtlichen Grütlivereins – unter diesen war auch Treichler, Johann Jakob (1822-1906)--DB4439 – den Zürcher Konsumverein. Auch der Begriff Konsumverein selbst geht auf Karl Bürkli zurück, der diesen von der französisch-frühsozialistischen société de consommation ableitete. Im Konsumverein sah Bürkli eine Keimzelle einer sich evolutionär entwickelnden Kredit- und Handelsreform. Diese hätte ihrerseits im weiteren Zusammenhang mit den fourieristischen Grossgemeinschaften, sogenannten Phalansterien, sowie mit den direktdemokratischen Instrumenten von Initiative und Referendum Keimzelle einer umfassenden Gesellschaftsreform werden sollen, in der nicht nur die Produktion, sondern auch die Sphären der Reproduktion genossenschaftlich organsiert und integral verbunden würden. Mit dem Konsumverein, mit weiteren Genossenschaften und mit seinen sozialpolitischen Engagements wurde er zu einem der Pioniere der schweizerischen Genossenschafts- und Arbeiterbewegung und der sozialdemokratischen Anfänge, die weit vor die Gründung der schweizerischen sozialdemokratischen Partei zurückreichten.

Mitte der 1850er-Jahre beteiligte sich Bürkli an einem als Aktiengesellschaft konzipierten Versuch, in Texas einen auf Fouriers Theorie basierenden sozialistischen Staat zu gründen. Dieser scheiterte schon 1856. 1858 kehre er nach Zürich zurück, wo er in der Altstadt eine Wirtschaft erwarb und bis 1861 ein zweites Mal die Geschäfte des Konsumvereins führte. Ein drittes Mal wurde er in den bewegten Jahren von 1866–1872 im Konsumverein leitend aktiv. Zusammen mit Senn-Hafner, Johann Martin--DB4466, Arx, Benedikt von (1817-1875)--DB134 und Treichler, Johann Jakob (1822-1906)--DB4439 gehörte Bürkli zu den ersten, die versuchten, die lokalen Konsumgenossenschaften in einem gesamtschweizerischen Verband zusammenzuschliessen.

Auf politischer Ebene war Bürkli ein wichtiger Protagonist der sogenannten demokratischen Bewegung, die im Kanton Zürich 1867–1869 die liberale Herrschaft Alfred Eschers beendete und in der sich wichtige Forderungen Bürklis durchsetzten, die er schon 1851 öffentlich erhoben hatte. So die direktdemokratischen Instrumente von Initiative und Referendum, die Gründung einer Kantonalbank aber auch die gesetzliche Verankerung der Förderung von Genossenschaften (Artikel 23 der 1869er Verfassung).

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts leistete er schliesslich einen wichtigen Beitrag zu den ersten sozialdemokratischen Parteiprogrammen und Parteistrukturen. Er war u.a. auch Mitglied der Ersten und später der Zweiten Internationalen, in deren Kongressen er den Grütliverein und frühe gewerkschaftliche und genossenschaftliche Projekte und Zusammenschlüsse der Arbeiterbewegung vertrat. In dieser Zeit propagierte er auch wasserbauliche Grossprojekte für eine effiziente Energienutzung. Zudem widmete er sich der Geschichtsforschung, speziell den historischen Dorfkorporationen und der Demontage der spätmittelalterlichen schweizerischen Heldengeschichten.

Autor: Hans-Ulrich Schiedt

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

  • Was ist – und was will der Sozialismus? Vor Allem die rothe – oder Volksrepublik (Titel des ersten Teils). Was ist – und was will der Sozialismus? Radikale Ausrottung des Wuchers durch die friedlichen Volksbanken, welche Jedem (Bauer, Handwerker, u., u.) auf bewegliches und unbewegliches Eigenthum hin Geld zu 2 Prozent vorstrecken (Titel des zweiten Teils), Freie Stimmen, Nr. 10, 5. März 1851; Nr. 12, 19. März 1851
  • Leitende Grundsätze, Freie Stimmen, Nr. 47, 20. November 1851. Zweitabdruck unter dem Titel: Sozial-demokratisches Glaubensbekenntnis eines Grütlianers und Mitgliedes des Zürcher Gr. Raths, Der Grütlianer, Nr. 6, 10. Dezember 1851; Nr. 8, 31. Dezember 1851. Drittabdruck unter dem Titel: Socialdemokratisches Glaubensbekenntnis eines Grütlianers und Mitgliedes des Zürcher Grossen Rates aus dem Jahre 1851, Der Grütlianer, Nr. 95–97, 14.–19. August 1897
  • Statut des Konsumvereins Zürich vom 18. Januar 1852, Der Grütlianer, 24. März 1852
  • Soziales, Neues Schweizerisches Volksblatt, Nr. 44–45, 47–52, 3. November – 29. Dezember 1854
  • Hoch-Texas. Neues, Neues Schweizerisches Volksblatt, Nr. 49, 8. Dez. 1854
  • Die sozialistische Expedition nach Texas, Eidgenössische Zeitung, Nr. 245–246, 4.–5. September 1858
  • Eine Kantonalbank, aber keine Herren-, sondern eine Volksbank, keine 5 und 6%, sondern 2, höchstens 3 Prozent Zins. Sturz der Geldaristokratie durch eine Staatsbank ohne Gold- und Silbergeld, 30 p., Zürich 1866
  • Der Konsumverein Zürich, Der Republikaner, Nr. 278, 25. November 1866. Auch als Flugschrift erschienen
  • Der zürcherische Verfassungsrath (Flugschrift), Zürich 1868. Die Rede, die Bürkli am 5. November für Artikel 23, den so genannten Genossenschaftsartikel hielt, wurde weiter abgedruckt und kommentiert: Protokolle des Verfassungsrathes des eidgenössischen Standes Zürich, Zürich 1869, Sitzung vom 5. November 1868; Felleisen, 10. Dezember 1868; Der Grütlianer, Nr. 51–52, 16.–23. Dezember 1868
  • Referat und Antrag der Sektion Zürich an den am 6. Sept. 1869 in Basel zu eröffnenden Kongress der internat. Arbeiter-Assoziation, 12 p. Zweitabdruck: Demokratisches Wochenblatt, Beilage, Nr. 32–33, 7.–14. August 1869, Titel: Direkte Gesetzgebung durch das Volk; Der Grütlianer, Nr. 43–45, 47–48, 27. Oktober – 1. Dezember 1869
  • Steinkohle und Wasserkraft. 200’000 Pferdekräfte zum Teufel! Die Tagwacht, Nr. 90–99, 27. November – 29. Dezember 1875. Die Artikelserie erschien auch als Broschüre in der Vereinsdruckerei des Schweizerischen Arbeiterbundes in Hottingen-Zürich
  • Fluss-Sanirungen, aber solche, die helfen, Der Landbote, Nr. 55–57, 61, 63, 64, 67–70, 72, 73, 6.–27. März 1877
  • Demokratische Bank-Reform. Oder: Wie kommt das Volk zu billigerem Zins? Sieben Fragen und Antworten über die Reorganisation der Kantonalbank, 69 p., Zürich 1881
  • Die direkte Gesetzgebung durch das Volk. Begründung des Antrags der Schweizer Organisationen an den Internationalen Sozialistischen Arbeiterkongress 1893, Zürich 1893, Anhang von Zirkular 3. Internationaler Sozialistischer Arbeiter-Kongress 1893
  • Der Social-Palast oder Arbeiterwohnungen mit Volksküche und Volkshaus verbunden, Volksrecht. Sozialdemokratisches Tagblatt, Nr. 87–90, 15.–19. Juli 1898
  • Die alte Sozialdemokratie. Etwas Sozialgeschichtliches, Volksrecht. Sozialdemokratisches Tagblatt, Beilage, Nr. 287, 293, 299, 303, 8. Dezember – 29. Dezember 1900; Nr. 15, 33, 39, 57, 63, 79, 19. Januar – 5. April 1901
Für eine umfassende Bibliografie der Publikationen von Karl Bürkli vgl. Schiedt, Hans-Ulrich, Die Welt neu erfinden. Karl Bürkli (1823–1901) und seine Schriften, Zürich 2002

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 1207
  • Schiedt, Hans-Ulrich, Die Welt neu erfinden. Karl Bürkli (1823–1901) und seine Schriften, Zürich 2002

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton Zürich


Zitiervorschlag - Proposition de citation - Suggested citation

Deutsch: Hans-Ulrich Schiedt, Bürkli, Karl (1823-1901)--DB4438, AfA-Portal Personen und Institutionen, Version vom März 2022, konsultiert am .

Français: Hans-Ulrich Schiedt, Bürkli, Karl (1823-1901)--DB4438, Portail AHR Personnes et institutions, version de mars 2022, consulté le .

English: Hans-Ulrich Schiedt, Bürkli, Karl (1823-1901)--DB4438, Portal ARH People and institutions, March 2022 version, consulted on .

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