Neuenschwander, Rosa (1883-1962)--DB2543

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Neuenschwander, Rosa (1883-1962)--DB2543

Picture

Person

Lebensdaten

03.04.1883-20.12.1962

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Höfen bei Brienz

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Ledig; reformiert

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Tochter des Eduard Neuenschwander, Wirt, und der Margaritha Neuenschwander-Graber

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Buchhandelslehre in Bern; Handelsschule in Biel; Welschlandaufenthalt; Primar- und Sekundarschule in Oberhofen

Berufsausübung

Berufsberaterin; Buchhandlung Emil Baumgart: Geschäftsführererin

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Ökonomische und gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern (OGG): Ehrenmitglied 1940-, Präsidentin der Subkommission für das Bildungswesen

Funktionen in anderen Institutionen

Bernischer Frauenbund: Präsidentin 1925-, Vorstandsmitglied 1920-; Kaufmännische Lehrlingskommission; Vereinigung weiblicher Geschäftsangestellter der Stadt Bern: Präsidentin, Mitbegründerin

Funktionen in der Politik

Biographische Skizze

Rosa Neuenschwander war eine typische Repräsentantin der schweizerischen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich trotz fehlender politischer Gleichberechtigung in der Öffentlichkeit unermüdlich für das Gemeinwohl engagierte. Die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft begründete die OGG auch damit, dass Neuenschwander in «hohem Masse im Sinn und Geist der Bestrebungen der Gesellschaft gewirkt» habe. Vorausgegangen war dieser Ehrung eine langjährige Zusammenarbeit, die sich während des Zweiten Weltkriegs besonders eng gestaltete. Ihre Stellung als wichtigste Repräsentantin der kantonalen Frauenbewegung, die auch darin zum Ausdruck kam, dass sie 1941 als erste Frau die offizielle 1.-August-Ansprache in Bern hielt, verdankte Rosa Neuenschwander vor allem dem Präsidium des Bernischen Frauenbundes, das sie von 1924 bis 1959 innehatte. Eine ihrer ersten Amtshandlungen in dieser Funktion war die Einberufung einer «Tagung der Berner Frauen von Land und Stadt», die eine bessere Koordination der lokalen Frauenvereine einleitete. Als erwerbstätige Frau und Geschäftsführerin einer Buchhandlung, wie später auch in ihrem Amt als Berufsberaterin, wusste Rosa Neuenschwander den wirtschaftlichen und politischen Einfluss der Verbände richtig einzuschätzen. Da die männlichen Berufsorganisationen meist keine Frauen aufnahmen, gründete sie weibliche Parallelorganisationen, so 1913 für die Geschäftsangestellten und 1920 für die Gewerbetreibenden. Sie wusste auch Bescheid über die ersten im Ausland und der Schweiz entstandenen Landfrauenvereine und strebte ähnliche Gründungen im Kanton Bern an. An der Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit SAFFA von 1928, deren Organisationskomitee sie vorstand, konnten die berufstätigen Frauen ihre Arbeitsgebiete der Öffentlichkeit vorstellen. Das war ein idealer Rahmen, um auch die von Frauen in der Landwirtschaft geleistete Arbeit zu würdigen – und ganz im Sinne der OGG, die einen Beitrag an die Ausstellungskosten mit dem Wunsch verband, dass sich «die ländlichen Frauenvereine unserer Gesellschaft anschliessen möchten». Diese Anregung deckte sich auch mit der Absicht der Organisatorinnen der SAFFA, einen schweizerischen Bäuerinnentag abzuhalten, von dem Impulse zur weiteren Gründung von Landfrauenvereinen ausgehen sollten. Rosa Neuenschwander trat hier nicht selber auf; sie überliess das Podium dem Direktor des Bauernverbandes Laur, Ernst Ferdinand (1871-1964)--DB2092, Elisabeth Böhm, der Gründerin der deutschen Landfrauenbewegung, Gillabert-Randin, Augusta (1869-1940)--DB1259, der Mitbegründerin der ersten Produzentinnenorganisation in Moudon (APM), Schneider-Schnyder, Anna (1885-1962)--DB3203, der Direktorin der bäuerlich-hauswirtschaftlichen Schule Schwand sowie Dettwyler-Jecker, Emilie (1880-1951)--DB816, der ersten Präsidentin des kurz zuvor gegründeten Bäuerinnenverbandes Schaffhausen. Nach regionalen Vorbereitungstreffen in verschiedenen Amtsbezirken konnte Anfang 1931 der Verband Bernischer Landfrauenvereine (VBL) gegründet werden, dessen Struktur und Ziele Rosa Neuenschwander noch im gleichen Jahr der Hauptversammlung der OGG vorstellte. Als erfahrene Verbandspolitikerin verstand sie es, die Ängste ihrer männlichen Zuhörer vor dem Zusammenschluss der Frauen zu zerstreuen. Die Landfrauen, so erklärte sie, strebten keineswegs mehr Macht oder gar das Stimmrecht an, vielmehr gehe es ihnen um die Pflege und Erhaltung ländlicher Art, die Erziehung zur Scholle, die Förderung des beruflichen Bildungswesens sowie die Selbstversorgung und die Verwertung der von den Frauen erzeugten Produkte. Auch die Beschaffung der nötigen Mittel sei bereits gesichert, versicherte sie den Anwesenden. Da die Bäuerinnen keine hohen Vereinsbeiträge aufbringen konnten, hätten sie den «bekannten Weg der Subventionierung von Verbänden und Behörden» eingeschlagen. Die OGG, der Bernische Milchverband und der Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften beteiligten sich in der Folge ebenso an der Finanzierung des VBL wie die kantonale Landwirtschaftsdirektion. Zusammen mit Kohler-Burg, Lilly (1893-1978)--DB1972 und Lichtenhahn-Maier, Elsa (1889-1969)--DB2145 engagierte sich Neuenschwander auch für den Zusammenschluss der kantonalen Landfrauenverbände in einem Schweizerischen Verband. Der Verband Bernischer Landfrauenvereine wurde sogleich Mitglied der OGG, und Rosa Neuenschwander, die die Subkommission für das Bildungswesen des VBL präsidierte, konnte schon 1932 über ein reichhaltiges Kursprogramm und die Einführung einer bäuerlichen Haushaltlehre berichten, die als Mittel gegen die immer bedrohlicher werdende Landflucht gedacht war. Als Vorbild für diesen einjährigen Lehrgang diente die in der Stadt Bern bewährte Haushaltlehre. Der VBL führte deshalb ab 1936 in Zusammenarbeit mit den bestehenden landwirtschaftlichen Schulen Schwand und Waldhof auch Lehrmeisterinnenkurse durch. Als nächster Schritt zur Professionalisierung folgte 1944 eine vom VBL durch einen Film dokumentierte Berufsprüfung für Bäuerinnen und drei Jahre später auch für bäuerliche Haushaltleiterinnen. Bis 1947 blieb die Betreuung dieser Ausbildungsgänge in der Hand des VBL, dann ging sie an die OGG über. Mittlerweile hatte sich Rosa Neuenschwander bereits neuen Aufgaben zugewandt. Sie sorgte für den Ausbau der öffentlichen und privaten Fürsorge und nahm sich der körperlich und geistig zurückgebliebenen Mädchen an, für die der Frauenbund 1939 das Pestalozziheim eröffnen konnte. Schon vor Kriegsausbruch beteiligte sich Neuenschwander an der von den schweizerischen Frauenverbänden betriebenen Organisation des zivilen Frauenhilfsdiensts. Sie wurde bei der Vorbereitung der Kriegswirtschaft beigezogen, arbeitete einen Plan für die Vorratshaltung in der Familie aus und wurde Mitglied des Konsultativen Frauenkomitees beim Kriegsernährungsamt. Schon früh unterstützte sie den von Friedrich Traugott Wahlen eingeleiteten Anbauplan, indem sie im Herbst 1939 die Bäuerinnenhilfe und den freiwilligen weiblichen Landdienst ins Leben rief. Den durch die Mobilisierung der Männer mit Arbeit überhäuften Landfrauen wurde durch einen Flickdienst der Städterinnen und die Entsendung jugendlicher Helferinnen unter die Arme gegriffen. Auch nachdem die Bäuerinnenhilfe 1941 in den durch einen Bundesratsbeschluss geregelten Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft einbezogen worden war, organisierte Rosa Neuenschwander den weiblichen Landdienst, den sie nun als Heimatdienst bezeichnete. Die Forderung, für junge Mädchen als Äquivalent zur Rekrutenschule der männlichen Jugend einen dreimonatigen Gemeinschaftsdienst zu schaffen, ging auf eine 1922 eingereichte Motion des Schaffhauser Nationalrats Waldvogel, Traugott (1861-1930)--DB3713 zurück. Das Anliegen wurde von den Frauenverbänden jedoch nur zögerlich aufgenommen. Erst die Erfahrungen der Kriegsjahre gaben der Idee, die Mädchen in Landeinsätzen zu solidarischen Bürgerinnen zu erziehen, neuen Auftrieb. Dass die anfängliche Begeisterung für den Heimatdienst rasch wieder verebbte, war für Rosa Neuenschwander eine herbe Enttäuschung. Mehr Erfolg hatten die Bäuerinnenhilfe und die damit verbundene Partnerschaft von Stadt und Land, für die sie sich bis in ihre letzten Lebensjahre einsetzte. 1943 zeigte sie in der Ausstellung «Stadt und Land, Hand in Hand» die gemeinsamen Anstrengungen zur Versorgung der Bevölkerung, und im Vorfeld der zweiten SAFFA wurde 1957 nach ihren Vorgaben der Film «Stadt und Land mitenand» gedreht, ein Lob auf den Berner Wochenmarkt als Begegnungsort von Städterinnen und Bäuerinnen.

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

  • Agrarpolitische Revue Oktober 1945, S. 115-118 (Die bäuerliche Haushaltsleiterin)

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 444
  • Gosteli, Marthe (Hrsg.) 2002: Vergessene Geschichte. Illustrierte Chronik der Schweizer Frauenbewegung 1914-1963. Bd. 2, 2. Auflage. Bern, Stämpfli, S. 1018
  • Archivbestand Wahlen, Hermann (AfA Nr. 707)
  • Beatrix Mesmer: Brückenbauerin zwischen Stadt und Land - Rosa Neuenschwander, in: Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009). Herausgegeben von Martin Stuber, Peter Moser, Gerrendina Gerber-Visser und Christian Pfister, unter Mitarbeit von Dominic Bütschi, Bern-Stuttgart-Wien, 2009, S. 203-206

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton Bern

Artikel erarbeitet von

Beatrix Mesmer, Peter Moser


Zitiervorschlag - Proposition de citation

Deutsch: Neuenschwander, Rosa (1883-1962)--DB2543, AfA Online-Portal Personen der ländlichen Gesellschaft, Version vom August 2018, konsultiert am .

Français: Neuenschwander, Rosa (1883-1962)--DB2543, AHR Portail en ligne Personnes du monde rural, version d'août 2018, consulté le .

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