Simler, Rudolf Theodor (1833-1873)--DB3342

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Simler, Rudolf Theodor (1833-1873)--DB3342

Picture

Person

Lebensdaten

16.07.1833-22.12.1873

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Zürich

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Verheiratet mit Maria Salomea Färber

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Sohn eines Spinnereibesitzers

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Studium der Naturwissenschaften an den Universitäten Zürich und Heidelberg 1852-1856, wo er 1855 promovierte; Kantonsschule Zürich, Schulen in Winterthur

Berufsausübung

Landwirtschaftliche Schule Strickhof: Lehrer 1871-1873; Landwirtschaftliche Schule Muri (AG): Hauptlehrer 1864-1871; Universität Bern: Privatdozent für allgemeine Chemie, Agrikulturchemie und chemische Geologie sowie Betreuer der Sternwarte 1861-1864; Kantonsschule Chur: Professor 1859-1861; Universität Breslau: Laborleiter bei Carl Jacob Löwig 1856-1859

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Mitteilungen über Haus-, Land- und Forstwirtschaft, Organ der Aargauischen landwirtschaftlichen Gesellschaft: Interimistischer Redaktor vom Mai 1864 bis März 1865 (als Nachfolger von Glaser, Johann Jakob (1813-1902)--DB1280), Hauptredaktor vom April 1865 bis Juni 1869, Redaktor (gemeinsam mit Römer, Friedrich--DB2909) vom Juli 1869 bis 1871 (als Vorgänger von Markwalder, Roman (1830-1895)--DB2257); Landwirthschaftliche Zeitung (Die Grüne): Mitarbeiter

Funktionen in anderen Institutionen

Schweizerischer Alpenclub: Erster Präsident, Mitgründer 1863; Gründer des Moränenclubs Aargau

Funktionen in der Politik

Biographische Skizze

Rudolf Simler war ein typischer Vertreter jener Generation von Wissenschaftlern, die in den 1850/60er Jahren überzeugt waren, dass die Landwirtschaft nach dem Vorbild der Industrie modelliert werden konnte. Sie konzipierten Pflanzen und Tiere als Maschinen und gingen davon aus, dass die Dampfmaschine im Agrarsektor gleich erfolgreich eingesetzt werden konnte wie in der Industrie. Die Verwerfungen und Probleme, diese diese Versuche zur ungebrochenen Industrialisierung des Agrarischen verursachten, trugen viel zur Herausbildung der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft bei, die , die ab den 1870/80er Jahren Rudolf Simler war ein typischer Vertreter jener Generation von Wissenschaftlern und Agronomen, die in den 1850/60er Jahren versuchten, die Landwirtschaft ohne Wenn und Aber nach dem Vorbild der Industrie zu modellieren. Sie konzipierten Pflanzen und Tiere als Maschinen und gingen davon aus, dass der Einsatz von Dampfmaschine im Agrarsektor künftig die gleichen Resultate produzieren würde wie in der Industrie schon seit dem späten 18. Jahrhundert. Doch die Versuche zur Umsetzung dieser Bestrebungen zur ungebrochenen Industrialisierung des Agrarischen verursachten in der landwirtschaftlichen Praxis nicht selten mehr Probleme als Erfolge. So richtete der Einsatz von Dampfmaschinen auf den Ackerböden oft mehr Schaden als Nutzen an und die für Industrie- und Handelsbetriebe entwickelten Buchhaltungsmethoden lieferten im Agrarbereich, wo ein wesentlicher Teil der Produktionsmittel im Produktionsprozess reproduziert wurde, keine sinnvollen Zahlen. Und die landwirtschaftlichen Ganzjahresschulen wurden wegen der Saisonalität der Agrarproduktion nur von einer kleinen Zahl junger Bauern besucht. Diese Misserfolge führten bei vielen Promotoren einer ungebrochenen Industrialisierung des Agrarischen zu Lernprozessen und einem vertieften Interesse an den Eigen-Logiken der agrarischen Produktion. Die daraus resultierenden Auseinandersetzungen mit den unterschiedlichen Grenzen und Potentialen in Industrie und Landwirtschaft trugen viel zur Herausbildung einer agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft ab den 1880/90er Jahren bei. Deren Exponenten versuchten zwar auch, die Agrarproduktion nach industriellen Rationalisierungsvorstellungen zu modernisieren, respektierten aber gleichzeitig auch die Eigenheiten des Agrarischen und versuchten deshalb Maschinen, Begriffe und Konzepte zu entwickeln, mit denen nicht nur industrielle, sondern auch agrarische Phänomene sachgerecht erfasst werden konnten. Konkrete Beispiele dafür sind Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359, der mit der Erfindung der Bodenfräse die Fähigkeiten des Maulwurfs bei der Bodenbearbeitung mit Aspekten des Taylorismus verknüpfte oder Laur, Ernst Ferdinand (1871-1964)--DB2092, der mit der Entwicklung des Konzepts des Ertragswerts u.a. Voraussetzungen zur sinnvollen Anwendung des Buchhaltungswesens auf den Bauernbetrieben schuf. Und Kraemer, Adolf (1832-1910)--DB2000 und Moos, Hans (1862-1929)--DB2417 engagierten sich für die Erweiterung der Jahres- zu Winterschulen, so dass ab Mitte der 188er Jahre auch die Zahl der Absolventen der landwirtschaftlichen Schulen stark anstieg.

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

  • Der Tödi-Rusein und die Exkursion nach Obersandalp, Bern 1861
  • Petraea und Orycta
  • Petrologisches Untersuchungsbesteck
  • Botanischer Taschenbegleiter des Alpenclubisten
  • Über die Notwendigkeit landwirtschaftlicher chemischer Laboratorien und Versuchsstationen in der Schweiz, Bern 1864
  • Die Prüfung der Milch auf ihre Güte oder Fälschung mittelst Milchwaage und Rahmmesser
  • Über rationelle Fütterung und Heuwerthe
  • Die Chemie in ihrer Beziehung zur Landwirtschaft und zum Ntionalhaushalt, Bern 1864
  • Wissenschaft und Praxis auf dem Gebiete der Landwirtschaft, in: Programm der Aargauischen landwirthshaftlichen Lehranstalt in Muri, S. 17-27
  • Möglichkeiten in Bezug auf Getreideproduktion, in: Landwirtschaftliche Zeitung, 1869
  • Ernährungsbilanz, in: Zeitschrift für schweizerische Statistik, Jg. 1873, 1874 und 1875
  • Die Lötrohr-Chemie in Verbindung mit einigen Reactionen auf nassem Wege, angewendet auf land- und hauswirthschaftlich-chemische, sowie gewerbliche Untersuchungen, Zürich 1873

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 498
  • Juri Auderset, Peter Moser, Die Agrarfrage in der Industriegesellschaft. Wissenskulturen, Machtverhältnisse und natürliche Ressourcen in der agrarisch-industriellen Wissensgesellschaft (1850-1950), Wien, Köln, Weimar, 2018
  • Nachruf in Mittheilungen über Haus-, Land- und Forstwirthschaft, 9.1.1874
  • Ernst Haldemann, Aargauische Landwirtschaftliche Schulen Brugg, in: Bildungsgang des Bauern und der Bäuerin in der Schweiz, Hrsg. vom Schweizerischen Verband der Ingenieur Agronomen, Zürich 1954, S. 136-138
  • NZZ 8.3.2013

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton ZürichKanton AargauKanton Bern

Artikel erarbeitet von

Peter Moser


Zitiervorschlag - Proposition de citation

Deutsch: Simler, Rudolf Theodor (1833-1873)--DB3342, AfA Online-Portal Personen der ländlichen Gesellschaft, Version vom August 2018, konsultiert am .

Français: Simler, Rudolf Theodor (1833-1873)--DB3342, AHR Portail en ligne Personnes du monde rural, version d'août 2018, consulté le .

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