Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359

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Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359

Picture

Person

Lebensdaten

13.07.1870-03.07.1952

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Geboren in Dresden, aufgewachsen in der Schweiz

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

1899 Heirat mit Henriette Martin (1874-1950), der Schwester des Komponisten Frank Martin; Kinder: Henriette Maria Mariette (1900-1986), Tänzerin; Mathilde Hilda (1901-), verheiratet mit Eduard Horst Tscharner, Privatdozent für Sinologie in Zürich; Theodora von Meyenburg; Elisabeth, verheirated mit François Bourdrez; Gertrude; Christine; Harald (27.11.1911-2000), Chemiker, 1937 Heirat mit Eléonore Burchkardt (1911-1980); Ernst, verheirated mit Anne-Marie Cuttat.

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Sohn des Bildhauers Victor von Meyenburg-von May (1834-1893). Die Familie lebte in Dresden, verbrachte den Sommer und Herbst jedoch auf dem Land- und Weingut Schipf in Herrliberg, das Constanze von May (1844-1928), die Mutter von Konrad von Meyenburg, mit in die Ehe mit Viktor von Meyenburg brachte. Constanze von Mays Mutter Anna Barbara Escher (1816-1861) heiratete 1836 den Anwalt Friedrich von May (1808-1875), der das Schipfgut in Herrliberg erbte. Constanze von Mays Grossmutter war Anna von Muralt, ihr Grossvater Hans Caspar Escher - von Muralt (1775-1859), Kaufmann, Architekt und 1805 Mitbegründer der Firma Escher-Wyss in Zürich. Nach dem Tod von Constanze von Meyenburg-von May übernahm 1929 ihr jüngster Sohn, der Mediziner Hanns von Meyenburg das Schipfgut in Herrliberg. 1971 ging dieses an seinen Sohn Hans von Meyenburg über der, wie seine Schwester Gertrud von Meyenburg, die erste Ehefrau von Max Frisch, Architektur studiert hatte. Seit 1994 wird das Schipfgut vom Mikrobiologen Kaspar von Meyenburg, einem Sohn von Hans von Meyenburg, bewirtschaftet. Konrad von Meyenburg hatte 8 Geschwister, neben dem Mediziner Hanns u.a. Marta von Meyenburg (1882-1972), die zusammen mit Maria Fierz die soziale Frauenschule Zürich gründete.

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Studium als Maschineningenieur an der ETH

Berufsausübung

Selbständiger Erfinder

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Max-Eyth-Gesellschaft: Ehrenmitglied

Funktionen in anderen Institutionen

Funktionen in der Politik

Biographische Skizze

Er stamme „aus den Kreisen der Kunst und der Industrie und aus den Sphären des ländlichen und städtischen Patriziertums und des Edelsozialismus im Geiste Tolstoj’s und Krapotkins“, sagte Konrad von Meyenburg 1928 in einem Vortrag. Nach dem Besuch der Schulen in Dresden studierte er an der ETH Maschinentechnik. 1890 ging Meyenburg zum ersten Mal in die USA. 1893 besuchte er die Weltausstellung in Chicago wo er auch den Arbeitswissenschaftler Frederick Winslow Taylor traf. 1896 arbeite er in Boston bei Taylor, den er nach Zürich holen wollte - allerdings ohne Erfolg. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz arbeitete Meyenburg zuerst in der Firma Escher-Wyss in Zürich, machte sich dann selbständig als Ingenieur und Erfinder und versuchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Taylors Prinzipien der Arbeitsrationalisierung auf den Ackerbau zu übertragen. Dabei macht er die Erfahrung, dass sich die organischen Prozesse im Boden nicht nach den gleichen Prinzipien messen und steuern liessen wie die industrielle Verarbeitung von Rohstoffen in der Fabrik. Er suchte deshalb nach Mitteln und Wegen, um die im Ackerbau einzusetzenden Maschinen den Eigenheiten und Bedürfnissen des Bodens anzupassen. Seine Modelle einer Bodenfräse für Bauern- und Gartenbaubetriebe liess Meyenburg im In- und Ausland patentieren. Mit den von einem Verbrennungsmotor angetriebenen Bodenfräsen entwickelte er ein sich am Verhalten des Maulwurfs orientierendes Verfahren mit elastischen Werkzeugen, das den Einsatz des Pfluges überflüssig machen sollte. Dabei arbeitete Meyenburg eng mit Grunder, August (1880-1957)--DB4076 und Bloch, Max (-1926)--DB4151 zusammen. 1911 gründeten Meyenburg und Grunder die Motorkultur AG in Basel. Als Patentverwertungsgesellschaft diente die Motorkultur AG dazu, die Patente auf Meyenburgs Erfindungen zu verwerten. Lizenzen wurden an Firmen in Frankreich, Holland, Japan und in den USA verkauft. In Deutschland erwarben die Siemens-Schuckert Werke das Patent von der Motorkultur AG und schufen den Versuchsbetrieb Hohenhof zur Weiterentwicklung der Bodenfräse nach dem System Meyenburg. In der Schweiz produzierte neben der Firma Grunder in Binningen auch die Firma Simar SA in Genf Meyenburg-Bodenfräsen. Konrad von Meyenburg war ein international viel gefragter, origineller Vortragsredner. Er publizierte und referierte zu Fragen der Mechanisierung, Motorisierung und Bodenkunde. Schon früh wies er auf die Grenzen der Rationalisierung biologischer Prozesse und damit auch die Zergliederung des landwirtschaftlichen Betriebs hin. In seinem 1928 in der Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft veröffentlichten Artikel zu den Rentabilitätsberechnungen des Schweizerischen Bauernsekretariates in Brugg formulierte er grundlegende Überlegungen zur Frage, wie weit die organische Komplexität des Agrarischen über Quantifizierungsmethoden überhaupt erfassbar sei. Nach dem Ersten Weltkrieg begann sich Meyenburg, ähnlich wie Bernhard, Hans (1888-1942)--DB297, Meyer, Hannes (1889-1954)--DB4269 und Jaeggi, Bernhard (1869-1944)--DB1758, auch für Wohn- und Siedlungsfragen zu interessieren. Dabei arbeitete er u.a. eng mit den Vertretern des Bauhauses wie Hannes Meyer zusammen. Ein zentrales Anliegen Meyenburgs war „die Wiederansiedlung städtischer Massen vor den Städten, auf dem Land, in einer gesunden und gesicherten Mischung zwischen Industrie- und Landarbeit im Geiste Kropotkins“. In der Schweiz pflegte er u.a. einen Austausch mit Hofstetter, Mina (1883-1967)--DB1638, der Pionierin des viehlosen Landbaus in Stuhlen am Greifensee, mit Schär, Johann-Friedrich (1846-1924)--DB3058, einem der wichtigsten Repräsentanten des Genossenschaftswesens, mit Laur, Ernst Ferdinand (1871-1964)--DB2092, dem Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes sowie mit den Agronomen Schnyder, Arnold (1890-1953)--DB3218 und Tapernoux, Frédéric Etienne (1900-)--DB4075. Mit Vertretern der Mechanisierung und Motorisieurung der Landwirtschaft wie beispielsweise Welter, Karl (1889-)--DB3774 oder Höhener, August (1903-1951)--DB1641 stand er ebenso in Kontakt wie mit den Schriftstellern Moeschlin, Felix (1882-1969)--DB4164, Jakob Bührer und Glauser, Friedrich Karl (1896-)--DB4877. Wohlwollend-kritisch mit Meyenburgs Bodenfräse auseinandergesetzt haben sich u.a. die Agronomen Marbach, Walter (1895-1967)--DB2246, Keller, Hans (1882-1941)--DB1873 und Studler, Albert (1882-1975)--DB3522, der 1919 dafür plädierte, die Bodenfräse weniger als Ersatz zum Pflügen, sondern komplementär zum Einsatz des Pfluges in der Bodenbearbeitung zu nutzen. Ineichen, Franz (1887-1953)--DB1734, Landwirt auf dem Sentenhof in Muri, führte den relativen (Miss-)Erfolg von Meyenburgs Bodenfräse auf den Umstand zurück, dass diese den Boden nicht nur für die Nutzpflanzen gut, sondern für die Unkräuter vermutlich sogar viel zu gut herrichtete. Auch Beglinger, Hermann (1894-)--DB269 und Jordi, Ernst (1877-1933)--DB1794 berichteten immer wieder über Erfahrungen, die sie bei der praktischen Anwendung von Bodenfräsen gemacht hatten.

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

  • Motorlastwagen und Motorpflüge, SA aus den Mitteilungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, 1910
  • Neue Siedlungen, in: Die Schweizerische Baukunst, 1919, S. 132-143 NZZ, 30. 31.7. sowie 1.8.1919
  • Über Gartenfräsen, 1922
  • Kultur von Pflanzen, Tieren, Menschen, in: Fortschritte der Landwirtschaft, 1926, S. 578-532 (Erneut veröffentlicht 1927 als: kultur von pflanzen, tieren, menschen, in: bauhaus 4, 1927)
  • Grundsätzliches zur Kritik der Rentabilitätsberechnungen des Schweizer Bauernsekretariates, in: Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft, 63, 1927, S. 433-466 sowie 64, 1928, S. 116-119
  • Was tun?, in: Beilage zu Heft Nr. 4 der Gartenstadt, Berlin, 1927
  • Le concours pour l'édification d'un palais de la Société des Nations a Genève, in: Das Werk. Architektur und Kunst
  • Klare Wirtschaftsziele, in: Deutsche Landwirtschaftliche Presse, 14.6.1930
  • Moba-Gedanken. Zur Entlassung Hannes Meyers am Bauhaus, in: National-Zeitung, 24.8.1930
  • Zwang in der Landwirtschaft, in: Beilage der Schweizerischen Republikanischen Blätter, 20.12.1930 27.12.1930
  • Besinnlicher Aspekt der Motorkulturenentwicklung seit 1800, für eilige Autofahrer, in: Auto, Nr. 21/22, 1941, S. 73-80
  • Versuch eines Querschnitts durch die kranke Bodenkunde, in: Der Wendepunkt, 7/1951, S. 205-210 und 8/1951, S. 261-263
Referate:
  • Neue Siedlungen, Referat anlässlich der Jahresversammlung der Schweizerischen Vereinigung für Heimatschutz, Zofingen, Juli 1927
  • Wiefern kann die Bodenfräskultur die heutige Not der eurtopäischen Kleinbauern beheben oder doch lindern helfen, Basel, November 1927
  • Alte und neue Arbeitsziele, Vortrag anlässlich der Jahrestagung des Schweizerischen Werkbundes, Bern 1928
  • Grundsätzliches über Produktionsforschung auf dem Gebiet der Natur- und Kulturwissenschaften, Vortrag vor der Naturforschenden und Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 881
  • Archivbestand Konrad von Meyenburg (AfA Nr. 764)
  • Hanns von Meyenburg, Die Schipf in Herrliberg, Zürich 1957

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton Basel-StadtKanton Zürich

Artikel erarbeitet von

Peter Moser


Zitiervorschlag - Proposition de citation

Deutsch: Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359, AfA Online-Portal Personen der ländlichen Gesellschaft, Version vom August 2018, konsultiert am .

Français: Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359, AHR Portail en ligne Personnes du monde rural, version d'août 2018, consulté le .

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