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Forschung

Maultiere wurden oft zum Tragen von Lasten eingesetzt. Bild: Alp Kiley im Diemtigtal 1943.
Der Milchmann Gottfried Moser (links) mit Knecht vor dem Hundegespann der Milchfuhr nach Zürich im Jahr 1892. Die Hunde zogen die Last bis 14 Kilometer weit nach Zürich und anschliessend den leeren Wagen wieder nach Horgen.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Trams, Droschken und Güterwagen in den Städten von Tieren gezogen. Bild: Bahnhofplatz Zürich um 1900.
 

Kulturen und Raumordnungen der Arbeitstiere. Grundlagen zu einer Geschichte der tierlichen Trag- und Zugarbeit

Im Zentrum des neuen, vom SNF finanzierten AfA-Forschungsprojekts stehen Fragen nach den Beständen, der Haltung, der Zucht, den Fähigkeiten und den Leistungen der Arbeit leistenden Tiere sowie nach den Verhältnissen, in denen sie genutzt wurden. Wir interessieren uns für die Kooperationen von Menschen und Tieren in Arbeitskontexten, für die besonderen Logiken des Umgangs mit lebenden Ressourcen und für die Verhaltensweisen und Arbeitsvermögen der Tiere. Aus diesen mensch-tierlichen Arbeitszusammenhängen gingen, so die erkenntnisleitende These, Raumordnungen und Arbeitskulturen hervor, deren historische Rekonstruktion im Zentrum des Projekts steht.

Thematisch konzentrieren wir uns auf die bewegenden Kräfte der Arbeitstiere und auf die Kontexte ihrer Verwendung. In diesen waren Landwirtschaft und Transportgewerbe vielfach miteinander verbunden. Zeitlich fokussieren wir uns auf die zwei Jahrhunderte von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In diesem langen Zeitraum waren die Arbeitstiere zentrale Akteure der Modernisierungsprozesse in der Landwirtschaft und im Transportwesen. Das gilt auch und besonders für jene Zeit, in der die Eisenbahnen das Transportwesen revolutionierten und die landwirtschaftlichen Arbeiten zunehmend mechanisiert wurden. Anhand filmischer Quellen gehen wir zudem der Frage nach, welche Rollen Arbeitstiere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch spielten und wie sie im Zeitalter der Motorisierung wahrgenommen wurden.

Das Forschungsprojekt integriert Erkenntnisinteressen der neuern Agrar- und Verkehrsgeschichte sowie der Human-Animal Studies mit einer quellennahen empirischen Herangehensweise. Es liefert einen Beitrag zum besseren Verständnis der Verkehrs- und Agrargeschichte und ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz, generieren doch die aktuellen Umweltdiskussionen einen wachsenden historischen Deutungsbedarf für die Potentiale und Grenzen der Nutzung lebender Ressourcen.

Das Forschungsprojekt wird in einer institutionellen Kooperation zwischen dem Archiv für Agrargeschichte (AfA), der Abteilung für Wirtschafts-, Sozial- und Umweltgeschichte (WSU) am Historischen Institut der Universität Bern sowie ViaStoria, der Stiftung für Verkehrsgeschichte durchgeführt.

Das auf drei Jahre (2020-2022) angelegte Projekt wird von Peter Moser geleitet. Hauptbearbeiter ist der Verkehrshistoriker Hans-Ulrich Schiedt. Andreas Wigger beschäftigt sich vor allem mit den filmischen Quellen und deren Verzeichnung und Publikation (www.ruralfilms.eu).