Affolter, Elise (1835-1905)--DB48

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Affolter, Elise (1835-1905)--DB48

Picture

Person

Lebensdaten

27.10.1835-03.10.1905

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Oeschberg bei Koppigen

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Ledig

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Tochter von Vinzenz (1804-1851) und Elisabeth Aeby (-1884); Schwester von Affolter, Ferdinand (1839-1903)--DB49

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Pension Montandon in Wabern, Pensionat in Faoug, Sekundarschule Kirchberg

Berufsausübung

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Funktionen in anderen Institutionen

Funktionen in der Politik

Biographische Skizze

Elise und ihr Bruder Affolter, Ferdinand (1839-1903)--DB49 gehörten zur ländlichen Oberschicht, die im 19. Jahrhundert in der Oekonomischen Gesellschaft Bern zunehmend an die Stelle der Berner Patrizier trat. Elise und Ferdinand wirkten in der Gesellschaft selbst und in einem ihrer Zweigvereine, dem Oekonomischen und gemeinnützigen Verein des Amts Burgdorf. Eines ihrer Hauptanliegen war, Knechten und Mägden mehr Wertschätzung zukommen zu lassen und deren Lebensverhältnisse zu verbessern. Dazu stifteten die kinderlosen Geschwister aus ihrem Vermögen ein Heim für alte und gebrechliche Dienstboten. Der 1869 gegründete OGG-Zweigverein im Amtsbezirk Burgdorf setzte sich vor allem deshalb mit der Dienstbotenfrage auseinander, weil sich die Zahl der familienfremden Arbeitskräfte in der Landwirtschaft zwischen 1888 und 1910 um rund einen Viertel verringerte. Gleichzeitig nahmen die nominalen Löhne für Dienstboten von 1851 bis 1914 um das Drei- bis Vierfache zu, während die Preise für Agrarprodukte nur moderat oder gar nicht stiegen. Erstmals konkret diskutierte man die Dienstbotenfrage im OGG Verein Burgdorf an der Hauptversammlung vom 7. Dezember 1873. Mitglieder verlangten, dass die Meister ihre Knechte und Mägde (wieder) stärker in die bäuerlichen Familien integrieren und sie auch im Winter, im Alter sowie bei Krankheit und Gebrechlichkeit auf dem Hof behalten sollten. Eine solche Fürsorge für alte Dienstboten war deshalb besonders nötig, weil es noch keine öffentliche Altersvorsorge gab. Die Gemeinden versorgten bedürftige Alte wie andere Arme: sie schickten sie in den Umgang, d.h. die Armen hatten keinen festen Wohnsitz und wanderten von Hof zu Hof, um in jedem Bauernhaus eine bestimmte Anzahl Tage verpflegt zu wurden.

Der OGG-Verein im amt Burgdorf erwog die Schaffung eines Dienstbotenaltersheims und einer Dienstboten-Krankenkasse, liess diese Projekte aber wieder fallen, weil die nötigen Mittel fehlten. Dagegen beschloss er, für langjährige Dienstverhältnisse Treueprämien auszurichten. Die erste dieser Dienstbotenehrungen fand 1877 mit 53 Mägden und Knechten statt. Die Übergabe der Prämien erfolgte im Rahmen einer Feier, an der auch die Meisterleute teilnahmen. Das Geld für die Auszeichnungen stammte aus dem Vereinsvermögen und von privaten Spenden, die Ludwig Robert von Erlach, einer der beteiligten Meister, für den Verein gesammelt hatte. Der Anlass entwickelte sich fortan zu einem festen Bestandteil im Vereinsleben. Auch andere OGG-Zweigvereine führten nun Dienstbotenehrungen durch. Und die OGG selber gründete 1898 eine Dienstbotenkommission, die sich ebenso mit der Dienstbotenfrage befasste wie später die 1942 gegründete Kommission für das Dienstbotenwesen. 1920 erstellte die OGG zusammen mit der bernischen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) zudem ein Regulativ für die Dienstbotenehrungen.

Zu den Organisatoren der Dienstbotenprämierungen im Amtsbezirk Burgdorf gehörte Ferdinand Affolter. Er und seine Schwester Elise waren die einzigen Kinder des Wirts Vincenz Affolter in Oeschberg bei Koppigen. Das Gasthaus der Familie, die Sonne, lag an der Bern-Zürich-Strasse. Nach der Eröffnung der Bahnlinie Olten-Burgdorf-Bern 1857 ging der Gasthof jedoch ein. Trotzdem blieb die Familie bis Ende des 19. Jahrhunderts ausserordentlich wohlhabend.

Ferdinand Affolter war Kavallerie-Hauptmann, Gemeindepräsident und Grossrat. Das Schwergewicht seiner öffentlichen Tätigkeit lag aber beim Oekonomischen und gemeinnützigen Verein des Amts Burgdorf und bei der Oekonomischen Gesellschaft in Bern. In beiden Organisationen war er Präsident und übernahm auch andere Aufgaben. Als Rosen- und Obstbaumzüchter, Präsident der kantonalen Obstbaukommission und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Obst- und Weinbauvereins setzte er sich insbesondere für den Obstbau ein und unterstützte soziale Anliegen. So befürwortete er 1890 auch den Zusammenschluss der Oekonomischen und der Gemeinnützigen Gesellschaft zur OGG.

Es war aber seine Schwester Elise, die der sozialen Tätigkeit der Geschwister eine nachhaltige Wirkung verlieh. Ferdinand starb am 9. August 1903 und bestimmte 200'000 Franken aus seinem Nachlass für wohltätige Zwecke. Elise, die zusammen mit ihrem Bruder den Haushalt in Koppigen geführt hatte, nahm in ihrem Testament die alte, bereits 1877 von Bichsel, J.--DB326 entwickelte Idee des Burgdorfer Zweigvereins wieder auf, ein Heim für alte und gebrechliche Dienstboten zu schaffen. Sie vermachte das ganze Vermögen dem Oekonomischen und gemeinnützigen Verein des Amts Burgdorf mit der Auflage, damit ein Heim für alte und gebrechliche und in Ausnahmefällen auch für arbeitslose Dienstboten zu errichten. Ein Teil der Mittel sollte einer Geschwister Affolter-Stiftung zugewiesen werden und den längerfristigen Betrieb der Anstalt sicherstellen. Das durch Notar Leuenberger, Ulrich (-1918)--DB4161 verwaltete Vermögen belief sich auf rund 700'000 Franken.

Am 28. Oktober 1906 konnte das neue Dienstbotenheim im Oeschberg mit fünf Pensionären unter der Obhut eines Verwalters eröffnet werden. Ein Leben lang gewoihnt zu arbeiten, halfen sie auch in ihrem neuen Heim bei landwirtschaftlichen Arbeiten, nun allerdings ohne Hast und Eile. Das Gut war für das Heim aber zu gross. Deshalb verpachtete der Verein 100 Jucharten (36 Hektaren) Land und behielt für das Dienstbotenheim lediglich deren 15. 1945 beherbergte das Heim acht Frauen und 15 Männer im Alter von 59 bis 85 Jahren.

1920 verpachtete die Stiftung den Landwirtschaftsbetrieb an den Kanton Bern, der noch im gleichen Jahr auf einem Teil des Geländes die Obst-, Gemüse- und Gartenbauschule Oeschberg eröffnete. In der Folge wurde das ehemalige Gut des passionierten Obstbaumzüchters Ferdinand Affolter zum nationalen Obst- und Gemüsebauzentrum, wurden doch 1927 hier auch die kantonale Zentralstelle zur Förderung des Obstbaues und der Obstverwertung und 1937 die Schweizerische Zentrale für Obstbau eröffnet. Die Direktoren der Obstbauzentrale stellte beinahe während des ganzen 20. Jahrhunderts die Familie Spreng (Spreng, Hans (1901-1975)--DB3382 und Spreng, Hans (1926-1990)--DB3383).

Autoren: Daniel Flückiger und Peter Moser und Thomas Schibli

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

Quellen

  • Flückiger, Daniel: Ein Heim für alte Mägde und Knechte - Elise und Ferdinand Affolter, in: Martin Stuber et al. (Hg.): Kartoffeln, Klee und kluge Köpfe. Die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Bern OGG (1759-2009), Bern 2009, S. 183-187
  • AfA Personendossier Nr. 438

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton BernSchweizerischer Obst- und WeinbauvereinKantonale Zentralstelle für Obstbau BernSchweizerische Zentralstelle für Obstbau SZOGartenbauschule Oeschberg


Zitiervorschlag - Proposition de citation - Suggested citation

Deutsch: Daniel Flückiger, Affolter, Elise (1835-1905)--DB48, AfA-Portal Personen und Institutionen, Version vom September 2021, konsultiert am .

Français: Daniel Flückiger, Affolter, Elise (1835-1905)--DB48, Portail AHR personnes et institutions, version de septembre 2021, consulté le .

English: Daniel Flückiger, Affolter, Elise (1835-1905)--DB48, Portal ARH persons and institutions, September 2021 version, consulted on .

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