Hofstetter, Mina (1883-1967)--DB1638

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Hofstetter, Mina (1883-1967)--DB1638

Picture

Person

Lebensdaten

22.03.1883-21.12.1967

Mädchenname, Herkunftsort bzw. Heimatort

Lehner

Zivilstand, Konfession, Nachkommen

Verheiratet mit Ernst Hofstetter, Schreiner; reformiert

Soziale Herkunft, verwandtschaftliche Beziehungen

Ausbildung, berufliche Tätigkeit und Funktionen in der Öffentlichkeit

Ausbildung

Berufsausübung

Bäuerin auf dem Hof Stuhlen in Ebmatingen

Funktionen in landwirtschaftlichen Institutionen

Gründungsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für biologischen Landbau 1947 (heute: Bioterra)

Funktionen in anderen Institutionen

Funktionen in der Politik

Mitglied der Freiwirtschaftsbewegung

Biographische Skizze

Im Anschluss an die obligatorische Schulzeit arbeitete Mina Hofstetter vorerst als Dienstmädchen in Genf und Berlin. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs erwarb ihr Mann 1915 auf ihr Drängen hin den Hof Stuhlen in Ebmatingen am Greifensee. In den 1920er Jahren übernahm Mina Hofstetter, die nach einer schweren Krankheit Veganerin geworden war, den Landwirtschaftsbetrieb, während ihr Mann sich wieder ganz dem Schreinergewerbe zuwandte, das er gelernt hatte. Ab 1927 führte sie den Betrieb viehlos, machte Versuche über Reihensaaten und führte - wie beispielsweise auch Guggisberg, Ernst (1915-1966)--DB1384, Frey, Hermine--DB1117 oder Ineichen, Teja (1913-1989)--DB1740 - unter der Leitung des Schweizerischen Bauernsekretariates auf ihrem Betrieb Buchhaltung. Als Zugkraft in der Bodenbearbeitung wichtig wurde für die ohne Zugtiere wirtschaftende Mina Hofstetter die vom Maschineningenieur Meyenburg, Konrad von (1870-1952)--DB2359 erfundene und durch Grunder, August (1880-1957)--DB4076 produzierte Bodenfräse (vgl. https://www.histoirerurale.ch/redirect/getURL.php?id=151) mit der sie sich ebenso wie die Agronomen Marbach, Walter (1895-1967)--DB2246, Keller, Hans (1882-1941)--DB1873 oder Studler, Albert (1882-1975)--DB3522 kritisch auseinandersetzte.

Ab Anfang der 1920er Jahre war Mina Hofstetter in der Freiwirtschaftsbewegung aktiv. Gleichzeitig unterhielt sie Kontakte zu anderen Pionieren des biologischen Landbaus im deutschsprachigen Raum. Von 1924 an publizierte sie in der von Zimmermann, Werner (1893-1982)--DB3988 herausgegebenen Zeitschrift Tao, später auch in anderen, der Lebensreformbewegung nahestehenden Periodika. 1928 veröffentlichte Hofstetter unter dem Pseudonym Gertrud Stauffacher die Schrift 'Brot. Die monopolfreie Lösung der Getreidefrage durch die Schweizerfrau'. Sie verkaufte diese Publikation, ähnlich wie Amstad, Crescentia--DB83 ihren Sbrinz-Käse, an der SAFFA 1928 an einem eigenen Stand. Anschliessend publizierte Hofstetter unter ihrem eigenen Namen mehrere Schriften zum biologischen Landbau und zur viehlosen Landwirtschaft. Sie gehörte zu einer Gruppe von Bäuerinnen, die wie beispielsweise Suidter, Anna (1872-1944)--DB4266, Sulzer, Marianne--DB4069 oder Gillabert-Randin, Augusta (1869-1940)--DB1259 einen eigenen Betrieb führten und sich auch in der Öffentlichkeit engagierten.

Mina Hofstetter hielt im In- und Ausland Vorträge und veranstaltete auf ihrem Hof Kurse über die Ernährung, das Sonnenbaden und die Freiwirtschaftslehre. Das 1936 von ihrem Mann und einem ihrer Söhne erbaute Gebäude Seeblick machte sie zu einer Lehrstätte für den biologischen Landbau, vor allem aber zu einem Treffpunkt von Ernährungsreformern wie Bircher, Maximilian (1867-1939)--DB364 und Bircher-Rey, Franklin (1896-1988)--DB365. Hier wurde 1947 auch die Genossenschaft Biologischer Landbau (heute Bioterra) gegründet, der sich in der Folge v.a. Klein- und Hobbygärtner anschlossen. Gleichzeitig fanden auf dem Hof Stuhlen aber auch Diskussionen mit Vertretern der eidgenössischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalten statt. So besuchte beispielsweise auch Gisiger-Brunner, Leo (1901-1989)--DB1273 den Betrieb. Gisiger, einer der vehementesten Kritiker des Biolandbaus, korrespondierte zudem auch mit Müller, Ernst (1904-1990)--DB2468 und Müller-Bigler, Maria (1894-1969)--DB2506, den, zusammen mit Rusch, Hans Peter (1906-1977)--DB4647, Begründern des organisch-biologischen Landbaus.

Wie der Titel ihrer Schrift von 1928 anklingen lässt, engagierte sich Mina Hofstetter immer auch für feministische Anliegen. So war sie Mitglied der 1935 in Genf gegründeten "Women's Organisation for World Order" (WOWO) und nahm aktiv an deren Konferenzen teil. In diesem Kontext lernte sie auch die schwedische Schriftstellerin und Ökofeministin Elin Wägner kennen, welche Mina Hofstetter anlässlich der WOWO-Tagung 1938 in Luzern auf dem Hof in Ebmatingen besuchte. Ähnlich wie Gillabert-Randin, Augusta (1869-1940)--DB1259 war Hofstetter sowohl auf der lokalen wie auch auf der nationalen und internationalen Ebene tätig.

Autor: Peter Moser

Quellen und Literatur

Eigene Publikationen

Stauffacher, Gertrud [Pseudonym für Hofstetter, Mina]: Brot. Die monopolfreie Lösung der Getreidefrage durch die Schweizerfrau, Bern 1928

  • Biologischer Landbau, Lauf bei Nürnberg/Bern/Leipzig 1931
  • Mutter Erde. Weckruf und praktische Anleitung zum biologischen Landbau, Zielbrücke-Thielle 1941
  • Neues Bauerntum, altes Bauernwissen : Naturgesetzlicher Landbau. Erlebtes und Erfahrungen, Zürich/ Leipzig, Verlage Gropengiesser, 1942

Quellen

  • AfA Personendossier Nr. 378
  • Archivbestand Mina Hofstetter (AfA-Nr. 703)
  • Auer, Elisabeth: Elin Wägner in Österreich, Zentrum für österreichisch-nordische Kulturstudien, Universität Roskilde 2006
  • Peter Moser, Mina Hofstetter-Lehner (1883–1967). Bäuerin und Forscherin, in: Verein für wirtschaftshistorische Studien (Hg.), Drucken, Backen, Forschen. Pionierinnen der modernen Schweiz (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, 106), Zürich 2016, 70–97
  • Schweizerische Bauernzeitung, Oktober 1928, S. 39

Schlagworte

Suisse - SchweizKanton AargauKanton ZürichBioterraSchweizer Bauernverband


Zitiervorschlag - Proposition de citation

Deutsch: Peter Moser, Hofstetter, Mina (1883-1967)--DB1638, AfA-Portal Personen und Institutionen, Version vom Juni 2021, konsultiert am .

Français: Peter Moser, Hofstetter, Mina (1883-1967)--DB1638, Portail AHR personnes et institutions, version de juin 2021, consulté le .

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